Die wilde "Yvette" sorgt für Unwetter im südöstlichen Europa

Thema des Tages - veröffentlicht am 16.05.2014, 09:34 Uhr

Während bei uns in Deutschland noch kühles aber doch relativ ruhiges Wetter vorherrschte, brachte ein für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftiges Tief über Südosteuropa verbreitet schwere Unwetter. "Yvette" ist der Name dieses Tiefdruckgebietes, das für extremen Regen, Überschwemmungen, Gewitter und Sturm sorgte.

"Yvette" entstand am Dienstag über der Adria, als hochreichende Polarluft, die Mitteleuropa geflutet hatte, ins Mittelmeer eindrang. Die polare Kaltluft traf dort auf feuchte subtropische Luftmassen, was über der Adria zu einer kräftigen Tiefdruckentwicklung führte. Am Mittwoch zog das Tief über den Balkan und blieb dort nahe zu stationär liegen. Seine Energie bezog es weiterhin aus dem Zustrom feucht-warmer Mittelmeerluft, die sich über die kalte Polarluft schob. Die Folge waren teils extreme Niederschläge. Besonders betroffen waren Serbien in der Region um Belgrad sowie der Norden von Bosnien-Herzegowina, wo am Mittwoch und Donnerstag verbreitet Niederschlagsmengen über 100 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen. Spitzenreiter war dabei die Region um Tuzla, wo innerhalb von 48 Stunden über 180 Liter pro Quadratmeter fielen. Normalerweise fallen in dieser Region etwa 70 bis 80 Liter pro Quadratmeter im gesamten Mai. Die Folge waren verbreitete Überschwemmungen, teils Rekordhochwasser und Erdrutsche, sodass in den betroffenen Regionen Katastrophenalarm ausgerufen wurde.

Im Laufe des Donnerstags verlagerte sich der Niederschlag weiter Richtung Österreich. Dort kam es im Nordoststau der Alpen zu intensiven Niederschlägen mit teils über 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden, die auch derzeit noch anhalten. Oberhalb von etwa 1300 m fallen diese als Schnee. In Staulagen können dabei 1 - 1,5 m Neuschnee zusammen kommen. Auch in den Karpaten gab es mit bis zu 130 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden recht heftige Niederschläge. Doch der Regen war nicht das einzige Problem. Zwischen Sturmtief "Yvette" und einer Hochdruckzone, die sich von der Nordsee über das Baltikum bis Nordosteuropa erstreckt, hat sich ein starker Luftdruckgegensatz aufgebaut. Dadurch kam es von Südpolen, über Slowenien, Ungarn bis Österreich verbreitet zu schweren Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h in tiefen Lagen und zu Orkan auf den Bergen.

Auch Gewitter richteten größere Schäden an. So bildeten sich auf der Ostflanke des Tiefdruckgebietes besonders am Mittwoch in der feuchtwarmen Luft schwere Gewitter über Bulgarien und Rumänien. Durch Sturmböen wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und Strommasten beschädigt. Tief "Yvette" setzt sich derzeit Richtung Deutschland in Bewegung. Dabei schwächt es sich aber deutlich ab, sodass sich die Situation in den Hochwassergebieten entspannt. Auch bei uns werden keine Unwetter erwartet. Dennoch wird das Wetter am Wochenende durch "Yvette" in der Osthälfte getrübt. Von Mecklenburg-Vorpommern über Brandenburg, bis nach Südostbayern kommt es zeitweise zu teils schauerartig verstärktem, im Nordosten auch zu gewittrigem Regen. Allerdings wird allmählich wärmere Luft zu uns geführt. So sorgt Tief Yvette im Zusammenspiel mit einem Tief über dem nahen Atlantik ab Beginn der neuen Woche für eine Wetterumstellung hin zu sommerlichen Wetter. Damit findet die kühle Witterungsphase, die seit Ende April mit nur kurzen Unterbrechungen bei uns anhielt, ihr Ende.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.05.2014

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