Thema des Tages

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13.04.2019
Nur kurze Verzögerung der Pflanzentwicklung
Der erste Blick aus dem Fenster oder die Analyse der Wettermeldungen der heutigen Frühstunden wird Frühlings- und Wärmeliebhaber wohl nicht sonderlich motiviert haben. Besonders in der Nordhälfte sowie in Teilen der Mitte rieselten ein paar Schneeflocken zu Boden. Die Niederschlagsmengen waren aber insgesamt nur gering, sodass sich Glätteerscheinungen durch Schnee in Grenzen halten und sich vor allem auf die Mittelgebirge beschränken.

Ursächlich für den etwas kühleren Witterungsabschnitt ist das umfangreiche Hochdruckgebiet KATHARINA mit Schwerpunkt über Skandinavien. An dessen Flanke strömt aus Nordosten kalte Festlandsluft arktischen Ursprungs nach Deutschland. Dementsprechend kam es in der vergangenen Nacht gebietsweise zu Luftfrost (gemessen in einer Höhe von 2 m) sowie verbreitet zu Frost in Bodennähe (5 cm). Für den Niederschlag, der heute gebietsweise in fester Form vom Himmel fällt, sorgt zudem ein in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief mit Kern über Nordwestdeutschland.

Allerdings sind solche Kaltluftvorstöße im April keinesfalls ungewöhnlich. Die aktuell eher kühle Phase darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die letzten Wochen im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten zu mild verlaufen sind. Darauf reagierte natürlich auch die Entwicklung der Natur. Die phänologische Uhr zeigt für dieses Jahr an, dass im bundesweiten Mittel der sogenannte "Vorfrühling", der durch den Beginn der Haselblüte markiert wird, um 9 Tage früher begann als im langjährigen Mittel. Diesen Trend setzte auch der "Erstfrühling" (Indikatorpflanze: Blüte der Forsythie) fort, der am 18.03. und damit ebenfalls 9 Tage früher startete. Der Unterschied zum vergangenen Jahr ist noch deutlich stärker ausgeprägt. Aufgrund des damaligen kalten März begann die Forsythie erst am 02.04. zu blühen. Damit ist die Natur in diesem Jahr im Vergleich zur Pflanzentwicklung im Frühling 2018 um etwa zwei Wochen voraus.

Der Blühbeginn der Apfelbäume läutet dann die nächste phänologische Jahreszeit ein, den "Vollfrühling". Besonders entlang des Rheins gibt es schon ein paar Meldungen des Blühbeginns, in der Fläche steht das Aufplatzen der Blüten aber noch bevor. Für die empfindlichen Blüten der Obstbäume ist die aktuelle Witterung natürlich nicht besonders zuträglich, besonders die teils frostigen Nächte können erheblichen Schaden verursachen (mehr zu möglichen Schutzmaßnahmen kann unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/4/5.html nachgelesen werden). Ein Vorteil der Obstblüten ist aber, dass diese - im Gegensatz zum Beispiel zu Erdbeeren - deutlichen Abstand zum Boden aufweisen. Die Luft kühlt nämlich in unmittelbarer Bodennähe deutlich stärker aus als etwa in einer Höhe von 2 m.

Bezüglich der Temperaturhöchstwerte wird der Tiefpunkt am heutigen Samstag erreicht, die Marke von 10 Grad wird nämlich bundesweit nicht überschritten werden. Am Sonntag sind am Rhein und an der Oder wieder Werte über 10 Grad wahrscheinlich. Zu achten gilt es aber weiterhin auf teils frostige Nächte, besonders in Regionen mit länger klarem Himmel. Der Erwärmungstrend setzt sich in den folgenden Tagen fort und verstärkt sich im Laufe der zweiten Wochenhälfte noch etwas. Während von Montag bis Mittwoch maximale Tagestemperaturen zwischen 10 und 18 Grad erwartet werden, sind ab Donnerstag auf den Vorhersagekarten auch Werte über 20 Grad ersichtlich. Prädestiniert dafür ist die Südwesthälfte, aber auch im Berliner Raum bestehen dafür am Karfreitag gute Chancen. Allerdings kann es regional auch etwas wechselhafter sein mit dichteren Wolken und etwas Regen.

Mit diesen Aussichten wird die Entwicklung in der Natur nun wieder richtig Fahrt aufnehmen. Damit steigt aber auch das Risiko, dass ein etwaiger Kaltluftvorstoß Ende des Monats Schäden an den Blüten verursachen kann. Aktuell gibt es für ein solches Szenario aber noch keine Hinweise.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.04.2019

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