Synoptische Vorhersage
SYNOPTISCHE ÜBERSICHT K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 09.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Teils unwetterartige Schneeverwehungen über dem Norden, bis in den Samstag
anhaltend. Im exponierten Bergland im Südwesten Orkanböen, in höheren Lagen des
Südwestens und Südens Sturmböen. Im erweiterten Küstenumfeld Sturmböen und
schwere Sturmböen. Wind bis in den Samstag hinein deutlich nachlassend, dann nur
noch in den Hochlagen des Südens Sturmböen.
Am Samstag im Schwarzwald und im Allgäu markante bis unwetterartige Schneefälle
(Unwetter: Schwarzwald).
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... ist die Wetterlage in großen Teilen Deutschlands recht turbulent, so
dass sich diese Übersicht am Ende auch wie ein synoptisch angehauchter
Warnlagebericht lesen könnte. Dabei ist Sturmtief ELLI inzwischen (06 UTC) an
der belgische Nordseeküste aufgeschlagen. Sein Kerndruck liegt bei ca. 969 hPa,
das Sturmtief hat seinen Zenit überschritten und beginnt bzw. hat schon begonnen
sich aufzufüllen. Dies liegt auch daran, dass aus der Höhe keine
Entwicklungsimpulse mehr geliefert werden, hat doch das Höhentief das Bodentief
inzwischen eingeholt und liegt weitgehend lotrecht über selbigem. Das
angesprochene Höhentief ist eingebettet in eine Zone tiefen Geopotentials über
dem Nordatlantik und Skandinavien, es bildet den Kern eines langwelligen
Troganteils, dessen Achse aktuell über Frankreich nach Süden verläuft, die in
einer insgesamt gleichmäßig zyklonal gekrümmten Höhenströmung aber nur schwach
ausgeprägt ist. Bis zum Abend soll sich das angesprochene Höhentief von einem
mehrkernigen Höhentiefkomplex über dem Nordatlantik trennen und mit dem
Bodentief zögerlich nach Westen ziehen. Die Einschätzung für den Abend lautet z.
B. bei IFS und ICON, dass sowohl das Höhentief als auch das Bodentief etwa am
Niederrhein ankommen sollen, dabei deutet ICON eine Lage etwas westlich des
Rheins an, IFS dagegen eine Lang etwas östlich des Rheins. Wie auch immer, klar
ist, dass sich der Warmsektor des Tiefs schließt, nur in einem Dreieck Hochrhein
Oberfranken Niederbayern liegen die 850er Temperaturen aktuell noch im
leicht positiven Bereich, ansonsten herrschen zumeist leicht negative 850er
Werte vor (null bis 1 Grad), im Nordosten ist die Kaltluft noch nicht verdrängt
worden, dort liegen die entsprechenden Werte noch um 8 Grad. Tatsächlich wird
sich daran auch im Tagesverlauf nichts ändern, vielmehr kann die Kaltluft
allmählich wieder Boden gutmachen, zum Abend soll die 8 GradIsotherme von
SchleswigHolstein bis zur Weichselmündung und nordöstlich davon überdecken. Die
850er Temperaturen deuten schon an, dass die Warmfront aktuell über dem Osten
Bayerns zu finden ist, von dort erstreckt sie sich weiter nach Nordwesten bis
nach Niedersachsen. Dort gehen die Schneefälle allmählich in Regen über, mit
beträchtlicher Glatteisgefahr auf den noch gefrorenen Böden vor allem im
Südosten. Entsprechend laufen dort markante Warnungen und Unwetterwarnungen vor
Glatteis. Die Glatteisgebiete verlagern sich mit der Front nach Osten, am
Vormittag sollen vor allem die Hochlagen Ostbayerns betroffen sein, die
kritischen Gebiete ziehen sich dann aber auch bis nach Nordbayern und Thüringen.
Um die Mittagszeit ziehen die Niederschläge aus Bayern ostwärts ab, so dass sich
dann dort die Situation entspannen sollte, zu dem Zeitpunkt betrifft die
Glatteissituation, bei ebenfalls nachlassender Ausprägung, Mitteldeutschland. In
einem breiten Streifen von Ostsachsen bis ins Emsland fällt durchweg Schnee.
Dort kann sich die Milderung nicht durchsetzen. Insgesamt greifen die
Schneefälle nicht so weit nach Nordosten aus, wie es die Modelle noch in den
Vorläufen angedeutet haben. Hamburg wird wohl sicher etwas Schnee abbekommen
(nach ICON z. B. könnten im Tagesverlauf um 3 cm fallen, IFS oder GFS halten
noch eine Schneeschippe mehr an Schnee für möglich) In Berlin sehen die Modelle
nach aktuellem Stand eher nur nach geringe Schneemengen als wahrscheinlich an, 1
bis 2 cm scheinen eine gute Schätzung zu sein, AROME oder UK10 sehen in Berlin
heute sogar gar keinen Neuschnee mehr. Südwestlich der Linie Hamburg Berlin
fallen durchaus 5 bis 10 cm Neuschnee, lokal auch bis zu 15 cm, im Südstau des
Harzes können auch um 20 cm zusammenkommen. In einem Streifen von Ostbayern bis
nach Ostwestfalen lassen die Schneefälle im Tagesverlauf nach, dort sind die
Mengen auch etwas geringer.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Schnee im Norden und Osten verwehen kann. Das
Sturmtief ELLI bildet nämlich das westliche Ende einer Tiefdruckrinne, die sich
über Polen hinweg bis nach Belarus erstreckt. Im Bereich dieser Rinne, also etwa
vom Rheinland bis nach Sachsen und Ostbayern, ist der Wind schwach bis mäßig,
allenfalls in den Hochlagen auch mal stark böig. Nördlich und nordöstlich der
Rinne (Ostwind) sowie südwestlich davon (Südwestwind) weht der Wind dagegen sehr
kräftig. In weiten Teilen des Nordens gibt es steife Böen Bft 7, im erweiterten
Nordseeumfeld auch Böen Bft 8 bis 9, unmittelbar an der Nordsee auch Böen Bft
10. Von der Eifel bis an die Alpen gibt es Böen Bft 7 bis 9, Die
Schwarzwaldhöhen bringen es bis auf volle Orkanstärke (Bft 12). Dort sind
Verwehungen kein Thema, im Norden und Osten dagegen schon, zumal im Norden
gebietsweise auch schon recht viel (trockener) Schnee liegt. Die entsprechenden
Verwehungswarnungen gehen bis in den Unwetterbereich. Da auf der Westflanke des
Tiefs durch herumgeholte Kaltluft die Schneefallgrenze wieder sinkt, gehen dort
bis zum Abend in höheren und mittleren Lagen die Niederschläge wieder in Schnee
über (Schneefallgrenze sinkt teils auf bis zu 300 m). Damit setzt dort erneut
Schneefall ein, der sich in Staulagen der Eifel durchaus auf 5 bis 10 cm
akkumulieren kann. Auch im Rothaargebirge und im Westenwald gibt es (etwas)
Neuschnee). Das gilt auch an den Alpen, wo Reste der ostwärts abziehenden Front
ins schleifen geraten. In dieser Gemengelage bildet sich ein bemerkenswerter
Temperaturgradient aus (bzw. hat sich ausgebildet). Die Maxima sollen im
Nordosten um 6 Grad liegen, am Oberrhein liegen die höchsten Werte dagegen bei
bis zu 10 Grad allerdings zu Tagesbeginn, im Tagesverlauf sinken sie nicht der
erneut wirksam werdenden kühleren Luft wieder ab.
In der Nacht zum Samstag laufen die Modelle schon wieder etwas auseinander.
Während das Tief bei IFS nach Südosten zur Kölner Bucht wandert, verlagert es
sich nach ICON Richtung Osthessen. Insgesamt macht die Kaltluft damit wieder
mächtig Boden gut, zum Morgen liegen die 850er Temperaturen im Südosten wieder
um 5 Grad, im Nordosten sind es um 12 Grad. Damit gehen auch über dem Süden
die Niederschläge wieder in Schnee über. In den Staulagen der westlichen
Mittelgebirge kommen dabei 5 bis 10, lokal in der Eifel auch um 15 cm Neuschnee
zusammen. Diese Mengen kann man auch für den Schwarzwald avisieren, wobei dort
das Hauptniederschlagsereignis erst im Laufe des Samstags zu erwarten ist.
Wahrscheinlich bleiben die tief eingeschnittenen Flusstäler (z. B. Rheingraben,
Mosel) schneefrei, ansonsten gibt es zumindest ein bisschen Schnee. Von Sachsen
bis nach Niedersachsen lassen die Schneefälle allmählich nach, von der Oder bis
zur Nordsee bleibt es trocken. Die Windverteilung mit einem relativ
windschwachen Streifen über der Mitte und kräftigem Wind über dem Norden und
Südwesten bleibt erhalten. Da sich das Tief aber zunehmend auffällt schwächt
sich der Wind etwas ab. Ausgangs der Nacht sind über dem Norden nur noch die
Küstengebiete von steifen oder stürmischen Böen Bft 7 bis 8 betroffen, die
Verwehungen lassen nach, auch wenn dafür auch schon die Bft 6 ausreicht.
Eventuell ziehen an den Küsten, die relativ milde See labilisiert dort, auch mal
kurze Schneeschauer durch. Im Südwesten und Süden bleibt es dagegen die Nacht
durch verbreitet bei Böen Bft 7 bis 8, in den Hochlagen geht noch etwas mehr,
auf dem Feldberg soll es für orkanartige Böen Bft 11 reichen. Das reicht aber
auch für weitere Verwehungen im markanten, eventuell auch bis in den
Unwetterbereich. Im Süden bleibt es bei +3 bis 2 Grad gebietsweise frostfrei,
im Norden sinken die Werte auf 3 bis 8 Grad, an der Oder auf nahe 10 Grad.
Samstag... wandert der westliche Teil der Tiefdruckrinne, in der das Tief ELLI
zum Abend schon nicht mehr auszumachen ist (Druckminima um 997 hPa), in Richtung
Alpen. Der zugehörige Höhentrog schwenkt über die Alpen hinweg und seine Achse
liegt in der Nacht von Belarus über die Alpen hinweg nach Sizilien orientiert.
Mit dem Druckanstieg entspannt sich die Windsituation weiter. An der Küste lässt
der Wind weiter nach, bei Drehung auf Nordost fächert der Gradient an der
Nordsee so stark auf, dass dort zum Abend keine warnwürdigen Böen mehr erwartet
werden aber hier und da noch Schneeschauer, die durch den LakeEffekt auch mal
kräftiger ausfallen können. An der Ostsee bleibt der Wind, durch das über
Belarus liegende Tief am Ostende der Tiefdruckrinne, immerhin nahe an den
Warnschwellen. Eventuell ist auch abends noch eine einzelne auflandige Bft 7
unterwegs, das lässt sich nicht ganz ausschließen. Ansonsten sind vor allem die
Hochlagen (Mitte, Süden) noch vom Wind betroffen, Bft 7 bis 8, eventuell
exponiert auch eine Bft 9, das wäre das Abendspektrum, wobei der Feldberg noch
immer mit einer Bft 11 in den Tag starten soll. Mit der Rinne wandern auch die
zumeist leichten Schneefälle nach Süden, sie starten über der Mitte und dem
Süden, zum Abend soll es dann nur noch südlich des Mains Schnee geben. Da auf
der Südflanke der Rinne eine westliche Windkomponente vorherrscht, deren
Unterstützung aus der Höhe im Tagesverlauf nur zögerlich schwächer wird, staut
es vor allem an den NordSüdexponierten Gebirgen (Schwarzwald, aber auch im
Allgäu) rein mit entsprechend deutlich höheren Schneemengen als in der Fläche.
ICON deutet für den Schwarzwald im Tagesverlauf durchaus 20 bis 30 cm Neuschnee
an, für das Allgäu dagegen eher "nur" 10 bis 20, eventuell und lokal auch bis 30
cm. In Verbindung mit dem angesprochenen Wind kann das wieder zu Verwehungen
führen, die u. U. lokal auch Unwettercharakter annehmen können. Auf der
Nordflanke der Rinne wird in 850 hPa wieder deutlich kältere Luft nach
Norddeutschland transportiert, bis zum Abend sinken die Werte nordöstlich einer
Linie Emsland Erzgebirge auf 10 Grad, im Westen sind es in der Spitze noch 7
Grad. In 2m Höhe liegen die Höchstwerte in der Südhälfte mit 1 bis 5 Grad im
positiven Bereich. Interessant dabei, dass im Westen die Höchstwerte schon
morgen und am Vormittag erreicht werden, im Süden dann um die Mittagszeit, ein
Umstand, der natürlich auf die Kaltluftadvektion zurückzuführen ist. Im Norden
ist es, abgesehen von den Küsten, dauerfrostig mit Höchstwerten zwischen 7 bis
null Grad, wobei die tiefsten Werte zwischen Neiße und Magdeburger Börde
auftreten.
In der Nacht zum Sonntag wandert die Tiefdruckrinne über die Alpen hinweg nach
Süden, damit lassen auch über dem Süden die Schneefälle nach, bis zum Morgen
haben sie sich an die Alpen zurückgezogen und sollten über 12 Stunden im Allgäu
20 bis 30 cm, am übrigen Alpenrand 10 bis 20 cm Neuschnee (jeweils in der
Spitze) gebracht haben. Dazu gibt es noch leichten Schneefall am Erzgebirge, wo
es im Bereich eines Bodentroges zusammen mit den Staueffekten zu etwas Hebung
kommt. Im Geopotentialfeld greift auf Westeuropa ein Höhenrücken über, von dem
sich ein separater Keil bis nach Südskandinavien wölbt. Dort wird eine
abgeschlossene Hochdruckzone gestützt, die Teil einer Brücke ist, welche sich
von Lappland über Südnorwegen und die Nordsee bis zur Iberischen Halbinsel
zieht, und im Verlauf der zweiten Nachhälfte ein abgeschlossenes Hoch über dem
Westen Deutschlands ausbildet. Unter Hochdruckeinfluss klart es verbreitet auf,
die Tiefstwerte liegen entsprechend tief im Nordosten bei lebhaftem, aber
nicht warnwürdigem Wind und entsprechender Durchmischung sowie im Süden unter
Wolken meist zwischen 6 und 9 Grad. Sonst gibs es 9 bis 15 Grad, lokal auch
noch Werte darunter, und damit recht verbreitet strengen Frost.
Sonntag... und in der Nacht zum Montag bietet das Wetter einen Tag zum
Durchschnaufen. Hochdruckeinfluss bietet gute Chancen auf Sonne, es ist weit
überwiegend trocken, nur an den Alpen fallen ein paar Flocken. Erst in der Nacht
zum Montag zieht in den Westen neuer Niederschlag, wobei wieder Glatteis eine
Rolle spielen wird. Bei Höchstwerten von 6 bis null Grad ist Dauerfrost
angesagt. In der Nacht werden für den Westen, wo die Gegenstrahlung der
hereinziehenden Wolken die Auskühlung dämpft, von MOSMIX Tiefstwerte zwischen 5
und 9 Grad avisiert, sonst erwartet das Modell strengen Frost bis 15 Grad,
lokal auch darunter.
Modellvergleich und einschätzung
Die Modelle bieten im Grundsatz eine gute Übereinstimmung. Die Unterschiede, die
teils (Verlagerung des Tiefs, Ausgreifen der Schneefallgebiete) im Text
angesprochen wurden, liegen nunmehr im handelsüblichen Rahmen.
Vorhersage und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas
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