Synoptische Vorhersage
SYNOPTISCHE ÜBERSICHT K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 01.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Hoch Nordmeer zyklonal (HNz), Tendenz zu Trog Mitteleuropa (TrM)
Wetter: Ja, und davon jede Menge. Graupelgewitter in Seenähe, potentiell mit
schweren Sturmböen. Sonst oftmals stürmische Böen, auf den Bergen schwerer Sturm
bis Orkan. Schneeschauer, mit Potential zu kleinräumig markanten
Neuschneemengen, im Bergland Schneeverwehungen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Am heutigen Neujahrstag... liegt ein Höhenrücken über Südwesteuropa, der über
eine Brücke zu einem Höhenhoch westlich Islands verbunden ist. Dieses stützt
auch ein kräftiges Bodenhoch (Jasmin). An dessen Ostflanke stößt arktische Luft
südwärts vor, der zugehörige Langwellentrog weitet sich von Norden her Richtung
Deutschland aus und erreicht gegen Abend mit Temperaturen unter 35°C die
Nordsee. Bodennah bestimmt ein Sturmtief (Tizian, int. Anna) das
Wettergeschehen, welches sich heute aus dem Raum Oslo langsam Richtung
Südschweden bewegt, wobei im Lee der norwegischen Gebirge im Laufe des Tages ein
Randtief an der Südspitze Norwegens entsteht.
Die bei uns liegende Luftmasse ist relativ kalt mit 850hPaWerten zwischen 0°C
im Süden und 6°C im Norden. Ab dem Vormittag greift die Kaltfront von Tizian
auf den Norden über und zieht im Laufe des Tages über Nordhälfte Deutschlands
hinweg südostwärts. Sie ist in der unteren Troposphäre thermisch kaum aktiv,
selbst in 850 hPa ist kaum ein Temperaturgradient auszumachen. Sie macht sich
aber durch den Vorstoß von Höhenkaltluft bemerkbar. Dies führt in der Nordhälfte
des Landes zu einer Labilisierung der Atmosphäre, so dass es in Verbindung mit
einem kräftigen Gradienten am Südrand von Tizian im Tagesverlauf in der
Nordhälfte zunehmend zu stürmischen Böen um 70 km/h kommt. In 850 hPa ist
insbesondere im Vorfeld der Front ein LowLevelJet auszumachen, in welchen
Windspitzen über 100 km/h erwartet werden, so dass insbesondere exponierte Lagen
Norddeutschlands auch Sturmböen oder schwere Sturmböen erwarten können. Auf dem
Brocken und Fichtelberg können es auch orkanartige Böen sein. Auch über der
Nordsee bringt der kräftige Gradient und die über dem Wasser besonders labile
Schichtung Sturmböen, auf freier See auch schwere Sturmböen aus Südwest. Mit dem
kräftigen Wind kommt es insbesondere im Erzgebirge bei den schon gefallenen
Schneemengen zu Schneeverwehungen (ab 600 m Unwetter).
Mit der Kaltfront ist auch ein kräftiges Schauerband verbunden, das ab dem
Vormittag in den Norden hereinziehen soll, nach ICOND2 und ICONRUC aber
relativ schnell zerfleddern soll, womit aber rückseitig dann starke Schauer
aufleben sollen. An beide Systeme gekoppelt sind durch vertikalen
Impulstransport auch schwere Sturmböen im Binnenland vorstellbar. Dies geben
aber weder die hoch aufgelösten deterministischen Modelle noch die Ensembles
bisher her. Mit der insbesondere von der See her auch bodennah labilisierten
Luftmasse kann es an den Schauern auch einzelne Gewitter geben, vor allem über
dem Wasser, aber durchaus auch bis ins norddeutsche Binnenland hinein. Zumindest
an diesen sollte die Möglichkeit schwerer Sturmböen in den Warnungen erwähnt
werden.
Richtung Süddeutschland frischt der Wind auch spürbar auf, allerdings weht er
dort im Flachland meist mäßig mit frischen Böen, nur auf dem Bergen wird es
ebenso stürmisch wie im Norden. Zudem scheint südlich des 49. Breitengrades
heute länger die Sonne und es ziehen meist nur hohe Wolkenfelder über den
Himmel. Im Norden und in der Mitte bleibt hingegen der Himmel meist dicht
bewölkt. Die kräftigen Schauer an der Kaltfront können mitunter schon im
norddeutschen Binnenland teils bis ganz runter als nasser Schnee fallen,
vielleicht kann sich dort vorübergehend mal Matsch bilden. Ansonsten fällt im
Norden nur Regen. Nach Süden hin schwächt sich der Regen zwar bezüglich der
Intensität deutlich ab, geht aber zunehmend in Schnee über. Während im Flachland
tagsüber dort wohl kein Schnee liegen bleibt, kann er ab dem Nachmittag von der
Eifel über das Sauerland und Weserbergland bis zum Harz in Höhen ab etwa 200 bis
300 m allgemein liegen bleiben. Zum Abend hin greifen leichte Schneefälle dann
auch noch südwärts bis zur Rhön und dem Frankenwald aus.
Die Höchsttemperaturen liegen heute in Höhenlagen ab 400 bis 700 m allgemein im
Dauerfrostbereich, sonst werden es meist +1 bis +4°C. Ganz im Nordwesten wird es
mit etwa +6°C noch deutlich milder.
In der Nacht zum Freitag zieht Tief Tizian langsam weiter in die Region um
Gotland. Interessanter für uns ist das Randtief, das aus dem Skagerrak über
Jütland und Seeland nach Schonen zieht. An seiner Südwestflanke kommt es zu
einer markanten Gradientverschärfung, so dass der westliche Wind vor allem in
einem Streifen von Nordfriesland bis Fehmarn und später Rügen noch einmal
deutlich auflebt. In diesen Regionen sind zumindest in Küstenbereichen mit
auflandigem Wind schwere Sturmböen zu erwarten, nach ICON wären insbesondere auf
Sylt, Fehmarn und vom Darß bis Rügen auch orkanartige Böen nicht auszuschließen.
Im Binnenland SchleswigHolsteins kann es zumindest für Sturmböen um 75 km/h
reichen. Ansonsten nimmt der Wind im Norden etwas ab, weht aber immer noch mit
steifen, örtlich auch stürmischen Böen bis ins Binnenland hinein. Diese
Windstärken sind auch allgemein in mittleren bis höheren Lagen der Mittelgebirge
bis nach Süddeutschland hinein zu erwarten. Auf dem Fichtelberg kommt es
weiterhin zu orkanartigen Böen, auf dem Brocken lebt der Wind sogar noch etwas
auf, so dass in der Nacht auch Orkanböen zu erwarten sind. Auf den exponierten
Gipfeln Süddeutschlands gibt es schwere Sturmböen.
Schauerartige Schneefälle ziehen in der Nacht bis in den Süden Deutschlands
hinunter, lediglich im Alpenvorland sollte es noch trocken bleiben. Bei 6°C in
850 hPa wird wohl abgesehen vom Küstenumfeld in den Schauern meist Schnee
fallen, der aber bei guter Durchmischung in den tieferen Lagen nicht lange
liegen bleibt, aber immerhin kurzfristig für Matsch sorgen kann. In der Fläche
fallen meist nur 1 bis 2 l/qm Niederschlag, allerdings kristallisieren sich zwei
Schwerpunkte heraus. Zum einen wird mit 500hPaTemperaturen unter 35°C die
Luftmasse im Norden weiter labilisiert, so dass es insbesondere an der See zu
wiederholten und starken Schauern kommt, dort sind auch weiterhin Gewitter
möglich. Bei kräftigen Schauern kann auch dort mal etwas Schnee im Binnenland
liegen bleiben. Zum anderen soll sich ein Schauerstreifen ausbilden, der aus
Richtung der Niederlande Richtung NRW und Thüringen gerichtet ist. Dort können 5
bis 10 l/qm, in Staulagen auch bis zu 15 l/qm fallen. Insbesondere in den dort
getroffenen Bergländern (z.B. Sauerland oder Harz), sind somit
Neuschneeakkumulationen über 10 cm, vereinzelt auch über 15 cm möglich. Aktuell
lässt sich der Streifen noch nicht genau lokalisieren, allerdings müsste in den
betroffenen Regionen eine OckerSchneefallwarnung ausgegeben werden. Zudem
kommen mit dem Wind in höheren Lagen auch noch Schneeverwehungen.
Im zentralen Bergland dürfte die Temperatur oberhalb etwa 300 m wohl allgemein
in den Frostbereich sinken, im Süden dürfte die Frostgrenze wohl eher bei 500 m
liegen. Darunter liegen die Tiefstwerte meist knapp über dem Gefrierpunkt,
können aber bei starken Schneeschauern auch mal bei 0°C liegen. Nur unmittelbar
an der See liegen die Tiefstwerte bei 2 bis 3°C im Plusbereich.
Am Freitag... zieht das nach wie vor kräftige Sturmtief Tizian langsam ostwärts
bis vor die Küste Lettlands. Auch das Randtief zieht ostwärts ab, an seiner
Westflanke dringt aber eine weitere Kaltfront nach Süden vor. Sie erreicht bis
zum Abend die nördliche Mitte mit einem Windsprung von West auf Nordwest und
weiteren schauerartigen Schneefällen. Auf ihrer Rückseite fließt jetzt die
arktische Luftmasse mit 8 bis 10°C in 850 hPa ein. Auch in der mittleren
Troposphäre dringt die Kaltluft nach Süden vor: In 500 hPa erreicht die
35°CIsotherme das Alpenvorland.
Mit der Kaltfront ist in der Norddeutschen Tiefebene noch einmal eine
Windauffrischung bis in den Bereich stürmischer Böen zu erwarten, bis an die
Mittelgebirgsschwelle zumindest in den Bereich steifer Böen. An der Nordsee
kommt es nach vorübergehender Windabschwächung mit einem weiteren Randtrog noch
einmal zu Böen bis um 90 km/h (Sturmböen/schwere Sturmböen) aus Nordwest, vor
allem an der Ostfriesischen Küste. Außerhalb davon geht der Wind an den Küsten
meist auf steife bis stürmische Böen zurück. Im gesamten Mittelgebirgsraum und
im höheren Alpenvorland muss auch am Freitag wieder mit steifen bis stürmischen
Böen gerechnet werden. Bei Sturmböen bis schweren Sturmböen bleibt es im
exponierten Bergland. Auf dem Brocken schwächt sich der Sturm leicht ab in den
Bereich orkanartiger Böen.
Schauerartige Schneefälle erreichen im Tagesverlauf auch die Alpen und beginnen
sich dort zu stauen. Das Schneefallgebiet an der Kaltfront im Norden wurde schon
erwähnt. Auch rückseitig davon fallen Schneeschauer bis in tiefe Lagen,
insbesondere in Seenähe durch die weitere Labilisierung der unteren Troposphäre
auch kräftig. Dabei können auch nochmal vereinzele Gewitter mit von der Partie
sein. Dort im Norden treten dann auch die höchsten Niederschlagssummen auf, die
streifenweise 5 bis 10, lokal auch bis 15 l/qm erreichen können. Da dieser
Niederschlag zumindest teilweise als nasser Schnee in kräftigen Schauern fällt,
muss zumindest vorübergehend auch mal mit Schneeakkumulation von einigen
Zentimetern gerechnet werden. Ansonsten fällt deutlich weniger Niederschlag, in
der großen Fläche meist unter 2 l/qm. Dabei kann es aber bis in tiefere Lagen
vorübergehend mal matschig werden oder eine dünne Schneedecke geben. An der
genannten Kaltfront dürften teilweise 2 bis 5 l/qm Niederschlag fallen, zudem
deuten sich weitere Schauerstraßen von den Niederlanden und Belgien her an, die
dem westlichen und zentralen Bergland regional Niederschlagssummen von 5 bis 10
l/qm, teilweise auch mehr bringen. Allgemein darf man im Bergland ab etwa 300 m
auf die Akkumulation von wenigen Zentimetern Neuschnee (vielleicht 1 bis 3 cm)
zählen, kleinräumig können es aber durchaus auch 5 bis 10 cm sein, lokal in
höheren Lagen auch noch etwas mehr. Dabei dürften aber die genau betroffenen
Regionen erst recht kurzfristig vorher auszumachen sein und sollten dann auch
entsprechend mit OckerWarnungen versehen werden. Zudem muss in den Regionen, in
denen sich schon einige Zentimeter Schnee akkumuliert haben, bei dem oben
erwähnten Wind, mit Schneeverwehungen gerechnet werden. Diese laufen im
Erzgebirge eh schon durch, aber auch im westlichen Bergland sollte zumindest
oberhalb von 600 m daran gedacht werden.
Allgemein darf nämlich in Lagen ab etwa 500 bis 700 m auch am Freitag wieder mit
Dauerfrost gerechnet werden. In den Tieflagen werden allgemein noch einmal 2 bis
4°C erreicht, im Nordwesten ist es auch noch milder. Allerdings darf man davon
ausgehen, dass bei kräftigen Schauern die Temperatur auch mal deutlich absinkt.
In der Nacht zum Samstag schwenkt der oben erwähnte Bodentrog über den Nordosten
Deutschlands hinweg und sorgt vor allem von Niedersachsen bis Sachsen noch für
lebhaften Wind mit steifen Böen. An der Ostsee gibt es noch recht verbreitet
stürmische Böen aus Nordwest, in exponierten Lagen Sturmböen. Ansonsten lässt
der Wind in der Nacht zum Samstag mit Gradientabnahme deutlich nach und ist im
Flachland nicht mehr warnwürdig. Auch auf den höheren Bergen lässt der Wind
langsam etwas nach, allerdings kann es in exponierten Lagen noch länger
Sturmböen geben, auf dem Brocken schwere Sturmböen.
Gebietsweise kommt es zu Schneeschauern, die aber tendenziell nachlassen. Bei
verbreitetem Frost kann bis in tiefe Lagen etwas Schnee liegen bleiben, in den
Mittelgebirgen fallen in der Nacht punktuell noch wenige Zentimeter. Dort kann
es im höheren Bergland immer noch für leichte Schneeverwehungen reichen. Zwar
wird es bezüglich der Kriterien grenzwertig, allerdings dürfte bei etwa 5°C in
den höheren Lagen der Schnee sehr leicht verwehen. In der zweiten Nachthälfte
sorgt dann ein neuer Bodentrog wieder für auflebende Schneeschauer von
Nordwesten her. An den Alpen fallen bis zum Morgen flächendeckend etwa 5 bis 15
cm Neuschnee, in den Weststaulagen der Allgäuer Alpen können es durchaus auch 30
cm Neuschnee werden.
Bei verbreitet leichtem Frost zwischen 0 und 4°C ist flächendeckend mit
Glättegefahr zu rechnen. Oberhalb 500 bis 600 m sinkt die Temperatur oftmals in
den mäßigen Frostbereich.
Der Samstag... wird heute aufgrund der komplexen Wetterlage noch nicht
beschrieben.
Modellvergleich und einschätzung
Zwar wird die synoptische Lage recht übereinstimmend simuliert, im Detail gibt
es aber noch größere Modellunterschiede. Dies betrifft den:
Wind: Auch wenn bis morgen Mittag die Druckgradienten recht übereinstimmend
simuliert werden, zeigt ICON an dem Bodentrog kommende Nacht etwas mehr Wind.
Überraschend ist auch, dass die EPSVerfahren und auch die
konvektionserlaubenden Modelle an den Gewittern heute nicht mehr Wind
simulieren. UK10 zeigt am Freitagabend einen markanten Bodentrog im Norden
Deutschlands, den andere Modelle nicht im Programm haben. Ein neuer Bodentrog
taucht bei diesem Modell am Samstagvormittag auf. ICON, IFS und GFS zeigen
dagegen am Samstagnachmittag wieder einen markanten Bodentrog von der Nordsee
her. Jeder dieser Tröge ist potential mit markantem Wind verbunden.
Schnee: Aufgrund der labilen Lage fällt der Schnee überwiegend konvektiv, so
dass es deutliche Unterschiede zwischen den Globalmodellen und den
konvektionserlaubenden Modellen gibt. Zwar sollten letztere die Situation
realistischer wiedergeben, aber ob die Niederschlagsspitzen realistisch sind,
muss sich noch zeigen. Zudem werden Schauerbändern in unterschiedlichen
Positionen gezeigt, so dass Schneefallwarnungen im Voraus nur sehr grob
ausgegeben werden können (in der Fläche zu viel, in den Spitzen zu wenig), oder
man muss die Schneefallwarnungen ins Nowcasting verlegen, was Bürger und
Winterdienste aber dann ganz schön überraschen kann. Nicht leicht, die Lage,
zumal man ja keinen Winter mehr gewohnt ist...
Vorhersage und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.Met. Peter Hartmann
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