Synoptische Vorhersage
SYNOPTISCHE ÜBERSICHT K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 05.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Trog Westeuropa (TrW), zum So/Mo kurzzeitig Ansätze von Brücke Mitteleuropa (BM)
Weiterhin leicht wechselhaft, aber deutlich weniger brisant im Vergleich zu den
Vortagen. Vor allem in der Nordhälfte neben Schauern örtlich auch kurze
Gewitter, nur ganz vereinzelt mit markanten Begleiterscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... nach der turbulenten Lage gestern und einem bestätigten Tornado bei
Gronau (Westfalen) hat sich die Szenerie inzwischen deutlich beruhigt.
"Signifikantes Wetter" findet allerdings weiterhin statt, befinden wir uns doch
großräumig betrachtet weiterhin am Rande des umfangreichen Zentraltiefs bei
Island, das an seiner Südflanke einen Randtrog nach dem nächsten Richtung
Mitteleuropa schickt. Einer davon überquert uns heute, wobei sich in der
Feinanalyse in 300 hPa heute Mittag 12z ein vorlaufender Anteil an der
DeutschPolnischen Grenze und ein Sekundärtrog über Westdeutschland ausmachen
lässt. Mit ersterem sind noch Hebungsvorgänge an der abgezogenen Kaltfront
verbunden, die inzwischen deutlichen Anacharakter angenommen hat. Postfrontal
ist die westliche Bodenströmung indifferent konturiert, zum Nachmittag macht
sich aus Frankreich ein flacher Keil bemerkbar.
Bis zum Mittag lassen dann auch letzte Regenfälle in Ostsachsen sowie vom
Bayerischen Wald bis zum östlichen Alpenrand nach. In den Alpen kommen oberhalb
etwa 2000 m noch ein paar Zentimeter Neuschnee zusammen. Ansonsten richtet sich
der Fokus rasch auf die neue Auslöse im Trogbereich, dessen Eigenschaften einem
jetzt nicht unbedingt den Angstschweiß auf die Stirn treiben wie teilweise noch
am gestrigen Donnerstag (Fronleichnam). Die eingeflossene erwärmte
Meereskaltluft (mPs) ist schwach labil geschichtet, skinny CAPE Verläufe bis
etwa 5 km Höhe (20°C) erlauben aber allenfalls wenige 100 J/kg an ML CAPE. Die
PPW's liegen zwischen 15 und 20 mm, im Nordwesten bei 25 mm, Scherung ist
innerhalb des Troges fast keine vorhanden.
So gibt es bei einem Mix aus Sonne und Wolken neben Schauern sicherlich auch das
ein oder andere Gewitter. Dabei handelt es sich in der Regel aber um pulsierende
Einzel, selten Multizellen der untersten Kategorie, die meist mit Gelb
abzuhandeln sind. Am ehesten kann es in der feuchtesten Luft im Nordwesten und
Norden mal für eine markante Kombi im Verbund mit einer stürmischen Böe,
kleinkörnigem Hagel oder Graupel und einem Starkregen um 15 l/qm binnen einer
Stunde reichen. So sieht es auch das ICONRUC EPS, das Mengen >20 mm binnen 6h
wenn überhaupt am ehesten zwischen Emsland, Ostfriesland und der Elbmündung
verorten würde nach D2 vor allem am späten Nachmittag und Abend bis nach
Vorpommern verlängert.
Im Süden und Südwesten treten nur ganz vereinzelt kurze Gewitter auf (trockenes
Entrainment Grundschicht und mittlere Troposphäre), im Laufe des Nachmittags
werden auch Schauer mit steigendem Bodendruck immer seltener. Die Höchstwerte
liegen in der gut durchmischten Luftmasse, die mit rund 5°C in 850 hPa
daherkommt im Bereich der 20°C Marke.
In der Nacht zum Samstag schwenkt der Trog unter Abschwächung nordostwärts ab
und es kann sich vorübergehend ein Keil stärker nordwärts aufwölben. Dessen
Achse reicht morgen Früh sogar bis nach Dänemark und Südnorwegen. Damit kann
sich auch das Bodenhoch mit dem persischen Namen DJAMSCHID kräftigen und liegt
bei Tagesanbruch mit knapp 1020 hPa im Bereich der hohen Tatra. Eine neue
Störung steht aber bereits ante portas, wo sich ein für die Jahreszeit doch
recht beeindruckendes Sturmtief (QUELLA) mit nahe 990 hPa über der Keltischen
See einnistet. Im Vorfeld erreicht ein erstes vorlaufendes PVA Maximum in den
Frühstunden schon wieder den äußersten Westen und Südwesten Deutschlands, was
zum Aufzug mehrschichtiger Bewölkung, aber meist noch keinen Niederschlägen
führt.
Sonst verläuft die Nacht nach rasch abgeklungenen Schauern und Gewittern ruhig
und überwiegend gering bewölkt oder klar. Bei nur schwacher Luftbewegung im
Zwischenhoch bildet sich stellenweise dichtere Nebel, der insbesondere an der
Donau und Nebenflüssen, in Flusstälern der Mitte sowie über der Norddeutschen
Tiefebene etwas mächtiger und horizontal ausgedehnter auftreten kann.
Die Tiefstwerte liegen bei frischen 12 bis 4 Grad.
Samstag... geht die zügige Translation und damit Abfolge der Trog/Rücken Muster
aus Westen weiter, da eine nennenswerte Blockade erst über Osteuropa greift. So
schwenkt der bereits erwähnte vorlaufende Randtrog nordostwärts nach Deutschland
und erreicht bis zum Abend die Elbe. Zur gleichen Zeit erreicht dann auch die
Haupttrogachse den äußersten Westen. Das Bodentief QUELLA mit seiner weit
eingedrehten Okklusion kommt bis Ostengland voran, die Okklusion erreicht im
Laufe des Nachmittags die Westhälfte Deutschlands. Das Zwischenhoch
verabschiedet sich derweil schon wieder zur Polnischen Ostseeküste, von Westen
setzt leichter Druckfall ein.
Die Hebungsvorgänge sind dabei insgesamt nur schwach ausgeprägt. WLA gibt es so
gut wie gar nicht, PVA ist auch mau. Erst zum Abend kommt im Westen etwas mehr
Dynamik rein (leicht diffluente Vorderseite, differentielle/mit der Höhe
zunehmende PVA). Präfrontal ist eine gewisse Anfeuchtung (schwache
Feuchteflusskonvergenz) gegeben, die Labilität beschränkt sich aber auf die
Niveaus um die 0°C Grenze. Von daher ist die Wetterinterpretation vom ICOND2
sehr anzuzweifeln bzw. als übertrieben einzustufen.
Zunächst kommen am Vormittag von Südwesten mit dem Trog erste Schauer oder
leichte Regenfälle auf, die aber schon stark durchbrochen sind und bei weitem
nicht jeden betreffen. Zum Nachmittag und Abend greifen teils schauerartig
verstärkte Regenfälle dann bis nach Vorpommern und Thüringen aus und verstärken
sich im Westen und Nordwesten allmählich. Von Warnschwellen sind wir aber
voraussichtlich weit entfernt, meist fallen in der Fläche keine 5 l/qm,
allenfalls punktuell mal um die 10 l/qm.
Im Süden und Osten bleibt lange nach ein kleiner Deckel knapp oberhalb der
Grenzschicht wirksam, der konvektive Umlagerungen weitgehend verhindert. Auch
wenn die Hebung des KWT nur schwach ist, können sich in der gewittertechnisch
noch potentesten Luftmasse orographisch getriggert aus den Alpen heraus einzelne
Gewitter entwickeln. Bevor eine schwache Druckwelle durchgeht und die Tendenz
der Lapse Rates eher wieder zur Stabilisierung neigen, könnte das am östlichen
Alpenrand eine realistische Option sein.
Präfrontal wird durch die leichte Aufsteilung niedertroposphärisch wieder etwas
wärmere Luft zu uns geführt (im Südosten T850 >10°C). Dadurch rückt von
Regensburg bis nach Berlin ein Sommertag mit über 25°C wieder in Reichweite. An
der Nordsee und in der Eifel bleibt das Temperaturniveau unter den Wolken bei
rund 20°C stabil.
In der Nacht zum Sonntag wird der vorlaufende Troganteil zunehmend von der
nachfolgenden Haupttrogachse geschluckt. Das weitgehend achsensenkrechte Tief
QUELLA erreicht die Deutsche Bucht. An dessen Südflanke dreht die Höhenströmung
von Südwest auf West und ist im Süden Deutschlands indifferent oder sogar
schwach antizyklonal gekrümmt.
Somit konzentriert sich der maßgebende Anteil an Hebungsvorgängen auf den
Nordwesten und Norden des Landes, wo es noch zeit und gebietsweise zu teil
schauerartig verstärkten Regenfällen kommt. Gewitter nicht ganz ausgeschlossen,
aber unwahrscheinlich. Unsicherheiten bestehen noch in der Schärfe des
Bodentroges, der auf die Nordseeküste übergreift. Immerhin sind das die Reste
des einst stattlichen Sturmtiefs, das inzwischen aber viel an Substanz verloren
hat. So sind es wohl vorrangig steife Böen (Bft 7), exponiert stürmische Böen
(Bft 8) aus Südwest. ICON06 ist dabei deterministisch am forschesten, externe
Modelle haben meist nur 6er Böen im Gepäck. Im IFSEPS ist aber die
Wahrscheinlichkeit für Böen Bft 7 deutlich erhöht.
Im großen Rest des Landes fällt nur vereinzelt etwas Regen, in der Südhälfte
lockert es teils stärker auf. Die Tiefstwerte liegen bei 14 bis 8°C.
Sonntag... läuft es wohl auf eine klassische Zweiteilung des Wettergeschehens
hinaus. Während der Norden noch länger mit dem nur langsam über Dänemark zur
Ostsee abziehenden Höhentief mitsamt Bodentrog zu tun hat, profitiert der Süden
von einem neuen flachen Höhenrücken, unter dem sich ein Hoch über Frankreich
kräftigen kann und einen Keil nach Süddeutschland richtet.
Vor allem vom Emsland bis nach Vorpommern und nördlich davon kommt es noch
gebietsweise zu schauartig verstärkten Regenfällen. Eingelagerte Gewitter sind
insgesamt unwahrscheinlich, am ehesten noch vorstellbar direkt an der See. Die
Regensummen liegen meist im Bereich von 2 bis 5, punktuell mal um 10 l/qm binnen
12 h und damit in sicherer Reichweite zu jedweden Warnschwellen. Dazu bleibt es
im Trogbereich ziemlich windig, mit Tagesgang teilweise auch mit einzelnen
steifen Böen bis ins Binnenland hinein. Unterm Strich also ein eher
ungemütlicher Charakter bei Höchstwerten meist knapp unterhalb der 20°CMarke.
Südlich daran angrenzend bleibt es in einem Streifen von NRW bis nach
Brandenburg zwar weitgehend trocken, allerdings ist die Auslösetemperatur
niedrig und bei rund 850 hPa kommt bereits eine kräftige Absinkinversion. So ist
vielfach mit dichterer Sc (teils cugen) Bewölkung zu rechnen mit beträchtlichen
Einbußen bei der Sonnenscheindauer.
Wer diesen länger genießen möchte, sollte sich schon südlich der zentralen
Mittelgebirge befinden. Wo der antizyklone Einfluss stärker zum Tragen kommt.
Ein gewisses Restrisiko für einzelne Schauer oder kurze Gewitter besteht am
Alpenrand. Der mäßige und teils böige Westwind ist auch im Süden spürbar, auf
exponierten Bergen kann es auch für einige Böen der Stärke 7, auf dem Brocken 8
Bft reichen.
Landesweit liegen die Nachmittagstemperatur meist zwischen 20 und 25°C.
In der Nacht zum Montag zieht der Trog aus Norddeutschland endgültig zur
nördlichen Ostsee ab und das Hoch weitet seinen Einfluss nordwärts aus. Ein sich
aus Nordwesten näherndes, zur Wellenbildung neigendes Frontensystem auf der
Vorderseite eines neuen Anlaufes des Zentraltiefs bleibt über der Nordsee und
dem Englischen Kanals noch außen vor. Südwärts gerichtete KLA nördlich der
Biskaya sorgt für eine neuerliche Aufsteilung der Strömung.
Damit bleibt es in Küstennähe zwar meist noch stärker bewölkt, aber es fällt
kaum noch Regen. Sonst lockert es teils stärker auf, örtlich kann sich flacher
Nebel bilden. Die Temperaturen gehen auf Werte zwischen 14 °C an der See,
vielfach um 10°C und bis 5°C in Tallagen der Mittelgebirge zurück.
Modellvergleich und einschätzung
Signifikante Unterschiede wie die Gewitterinterpretation des ICOND2 sowie die
Windentwicklung im Zuge des Bodentrogs zum Sonntag an der Nordsee wurden bereits
im Text angesprochen und eingeordnet. Sonst herrscht in den Basisfeldern
weitgehende Einigkeit.
Vorhersage und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
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