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16.05.2019
Die Temperaturen steigen und die Sonnenanteile sinken - man kann nicht alles haben!
Deutschland liegt derzeit zwischen einer ausgeprägten Hochdruckzone, die sich von den Britischen Inseln bis nach Nordwestrussland erstreckt und tiefem Luftdruck von der Iberischen Halbinsel bis ins östliche Mittelmeergebiet sowie dem Schwarzmeerraum. Während Tief "Zacharias" immer noch Polen mit Wasser bedient, wirbelt Tief "Axel" über Spanien und Portugal und öffnet dort seine Himmelstore. Aber auch weitere, nicht weiter namentlich bekannte "Tiefdruckeier" über Süditalien, Griechenland und der Türkei lassen im gesamten Mittelmeerraum nur wenig Urlaubsfreuden aufkommen. Anders sieht es im nördlichen Europa aus. Dort thront Hoch "Neyvi" mit seinen Verwandten und lässt die Regionen in der Sonne erstrahlen. Gleichzeitig blockiert das beständige skandinavische Hoch atlantische Tiefs, sodass diese mal wieder den Umweg über das Nordmeer oder halt über den Mittelmeerraum nach Osten nehmen müssen (vgl. allgemein Graphik).

Auch in den nächsten Tagen ändert sich daran nur wenig. In Skandinavien bleibt weiter Hoch "Neyvi" wetterbestimmend. Allerdings schwächelt es etwas an der Süd- bzw. Südwestflanke, also über Mittel- und Westeuropa, sodass Deutschland, Frankreich und auch die Britischen Inseln langsam aus dem Einflussbereich des Hochs verschwinden. Stattdessen streckt "Neyvi" seine Fühler nun bis nach Grönland aus. Den Platz, den das Hoch über Mittel- und Westeuropa freigibt, schnappen sich gleich Tiefdruckgebiete, die es sich schließlich über den genannten Regionen gemütlich machen und sich für einen längeren Aufenthalt einrichten. Ab Samstag bis weit in die kommende Woche hinein dominiert somit die Wetterlage "Tief Mitteleuropa". Die Frühlingshochs werden sich dann auf dem Atlantik und im südöstlichen Mittelmeerraum befinden oder sich von Finnland bis nach Grönland erstrecken.

Tiefer Luftdruck bedeutet für die Bevölkerung eine unbeständige, zu teils kräftigen Schauern und Gewittern neigende Witterung. Bei der Entstehung von Regentropfen spielen dabei viele, mehr oder weniger komplexe Prozesse eine Rolle. Der wohl wesentlichste Schritt zu flüssigem Niederschlag besteht in der Bildung winziger Wolkentröpfchen. Der verantwortliche physikalische Prozess ist in erster Linie die sogenannte Kondensation.

Kondensation tritt auf, wenn die Luft infolge von Hebung (Aufsteigen) abkühlt. Dafür gibt es in der Natur verschiedene Gründe. Strömt zum Beispiel die Luft gegen ein Gebirge, so wird sie gezwungen aufzusteigen, um das Hindernis zu überwinden (orographische Hebung). Auch wenn die Sonne den Boden und somit auch die bodennahen Luftschichten sehr stark aufheizt, stellt sich Hebung ein, da die leichtere, wärmere Luft aufsteigt (Konvektion). Auch im Bereich von Tiefausläufern, wo sich entweder kältere Luft unter die wärmere Luft schiebt (Kaltfront) oder die wärmere Luft auf die bodennahe kalte Luft aufgleitet (Warmfront), wird Luft gehoben. Zudem strömt die Luft in einem Bodentief im Uhrzeigersinn zusammen und kann schließlich nur in höhere Luftschichten ausweichen. Da es mit der Höhe immer kälter wird, kühlt sich die mit Wasserdampf angereicherte Luft beim Aufsteigen ab und kondensiert ab einem bestimmten Temperaturniveau zu Wassertröpfchen. Durch Auf- und Abwinde in den entstanden Wolken können die Wassertröpfchen anwachsen. Ist das Gewicht größer als die entgegenwirkende Kraft der Aufwinde, fallen die Tropfen zum Boden.

Da ab Freitag aus südlichen bis südöstlichen europäischen Gefilden auch wärmere Luft nach Deutschland fließt, ist der Regen in den nächsten Tagen zumindest wohl temperiert. Eine Kombination, die die Feldfrüchte freuen und zum Wachsen anregen dürfte. Allerdings führen die lokalen Phänomene Schauer und Gewitter nicht zu gleichmäßig verteiltem, feuchten Input.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.05.2019

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