Thema des Tages
Rückblick und Warnmanagement
Letzte Woche wirbelte Sturmtief ELLI und zum Start in diese Woche Tief GUNDA in der Wetterküche über Mitteleuropa. Die zwei Tiefdruckgebiete sorgten dafür, dass sich die Wetterlage äußerst komplex und warnintensiv präsentierte. Von Schnee über Schneeverwehungen, Sturm und gefrierenden Regen bis zu Dauerfrost und strengen Nachtfrösten war alles dabei. Ein Rückblick auf das Sturmtief ELLI findet sich im Thema des Tages vom 10.01.2026.
Auf die Glatteislage die vom gestrigen Montag bis zum heutigen Dienstagvormittag für teils erhebliche Behinderungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben geführt hat, wird im Folgenden eingegangen.
Zunächst erreichte im Laufe der Nacht zum Montag die Warmfront des Tiefs GUNDA unter langsamer Okkludierung den Westen des Landes. In der Folge verlagerte sich die Front zögerlich ostwärts.
Dadurch, dass in 900 hPa (etwa 1000 m ü. NN) sehr milde Luft einfloss, dominierte zunächst die flüssige Niederschlagsphase. Mit jedem Kilometer ostwärts wurde der Warmlufteinschub geringer und die Niederschläge fielen zumindest anfangs als Schnee, wodurch eine wenige Zentimeter dicke Schneeschicht die Glatteislage etwas entschärfte. Dennoch musste man davon ausgehen, dass es in der Westhälfte zum morgendlichen Montagsberufsverkehr durch gefrierenden Regen mit Glatteisbildung zu erheblichen Behinderungen kommt. In der Nacht zum Dienstag arbeitete sich die milde Luft langsam ostwärts voran. Der Südostwind hielt im Osten und Südosten teils lange an und sorgte bodennah bis weit in den Dienstag hinein für eine beständige Kaltluftzufuhr und eine fortwährende Glatteislage.
Verbreitet wurden zeitlich und räumlich gestaffelt Unwetterwarnungen vor gefrierenden Regen herausgegeben, auch aufgrund dessen, dass die Modellwelt hinsichtlich Ausprägung, Intensität und Phase der Niederschläge sich sehr einheitlich präsentierte. Auch die Vorgeschichte mit Dauerfrost und oftmals tiefgefrorenen Böden lieferte deutliche Hinweise auf eine brisante Wetterlage.
Letztendlich kam es verursacht durch die glatten Bedingungen zu zahlreichen Unfällen und Sperrungen von einigen Autobahnen, zu einem entgleisten Regionalzug, zu annullierten Flügen, Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und einer extremen Belastung der Krankenhäuser durch sturzbedingte Verletzungen.
Trotz der aufgeführten Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr sowie übereinstimmenden Berichten von Kolleg/Innen, Familie, Freunden usw. und zahlreicher Crowdsourcing-Meldungen zu spiegelglatten Straßen und Wegen wurde teilweise erhebliche Kritik am Warnmanagement des DWD geäußert. 
Zur Kritik am Warnmanagement sowohl bei der Schneelage letzte Woche als auch bei der Glatteislage zu Beginn dieser Woche soll nun Stellung genommen werden.
Die Ausgabe der Warnungen erfolgt beim DWD immer nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Stand umfangreicher Daten. Die Wahrscheinlichkeiten relevanter Parameter aller vorliegenden Modellberechnungen waren durchweg sehr hoch und führten zur Ausgabe der entsprechenden Warnungen. Leider lässt sich nicht vermeiden, dass es Bereiche gibt, in denen die Wetterentwicklung später von den Berechnungen abweicht. Die Diskrepanz zwischen der teils dramatischen Kommunikation im Vorfeld der Ereignisse und den tatsächlichen Wetterlagen war auch eine Folge von übertriebener Berichterstattung, die nicht von Seiten des DWD stattfand. Der DWD legt Wert auf eine transparente und sachliche Kommunikation mit klareren Darstellungen von Unsicherheiten und regionalen Unterschieden, um das Vertrauen in Wetterwarnungen langfristig zu erhalten. Beispiele sind die Unwetterclips, die in der WarnWetter-App, auf der Homepage und auf YouTube verbreitet werden. Dabei wird nicht auf Bundeslandgrenzen geachtet, sondern die Warnungen erfolgen in der Regel auf Ebene der Gemeinden und kreisfreien Städte.
Die Ausgabe der Warnungen wird mehrmals täglich zwischen den 6 Außenstellen und der Vorhersage- und Beratungszentrale abgestimmt. Wir können in der Regel sehr gut vorhersagen wie sich das Wetter entwickelt. Die Warnkriterien des DWD sind allerdings allein abhängig von meteorologischen Schwellenwerten. Die von vielen anderen Faktoren abhängigen Auswirkungen können wir nur abschätzen. Wetter- und Unwetterwarnungen führen insbesondere bei winterlichen Ereignissen oft dazu, dass präventiv gehandelt wird. Das bezieht sich beispielsweise sowohl auf Bürgerinnen und Bürger, die ihre Gehwege räumen, die Bahn die mit Weitsicht handelt und auf etwaige Probleme im Schienenverkehr hinweist als auch auf die Winterdienste die mit hervorragender Arbeit dafür sorgen, dass Straßen geräumt und öffentliche Plätze und Wege gestreut werden. Mit diesen Vorsorgemaßnahmen können also erfolgreich glatte Straßen und größere Schäden zumindest teilweise verhindert werden.
In Bezug auf die vergangene Glatteislage lässt sich konstatieren, dass die Unwetterwarnungen in den meisten Regionen berechtigt waren. Allerdings kam es in orografisch gegliedertem Gelände zu großen Unterschieden. Während in manchen Regionen, wie z.B. im Rhein-Main-Gebiet, die Kaltluft schnell ausgeräumt wurde, hat sie sich in den Mittelgebirgen mitunter sehr zäh gehalten. Dies in einem Warnkonzept abzubilden ist kaum möglich, wodurch manche Regionen am Ende sicherlich überwarnt waren, aber auch darauf wurde beispielsweise in den Unwetterclips hingewiesen. Insbesondere im Südwesten fand allerdings in einigen Regionen eine Überwarnung statt, was der Gegebenheit geschuldet war, dass die Niederschläge länger als prognostiziert als Schnee fielen und nach kurzer Pause mit dem einsetzenden Regen die Belagstemperaturen schon im positiven Bereich lagen.
Selbstverständlich schauen wir auch intern stetig nach Verbesserungsmöglichkeiten. Dafür wird die Qualität der Vorhersage ständig überwacht und viel Zeit in die Evaluierung und Weiterentwicklung der Modelle investiert sowie das Personal geschult und Arbeitsabläufe optimiert. Deutscher Wetterdienst Offenbach, den 13.01.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

