Thema des Tages

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26.04.2026
Hagelereignisse in Deutschland

Auch wenn aktuell über Mitteleuropa weitgehend ruhiges Hochdruckwetter vorherrscht, steht uns die Gewittersaison 2026 unmittelbar bevor - und damit steigt auch die Hagelgefahr. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass im Zeitraum von 2005 bis 2024 die meisten Hagelstürme in Deutschland zwischen Mai und August auftraten. Grundlage der Untersuchung waren Radardaten des Deutschen Wetterdienstes, aus denen potenzielle Hagelzüge abgeleitet wurden.

Dabei zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieses lässt sich sowohl durch die orographischen Gegebenheiten als auch durch den höheren Energiegehalt der Troposphäre im Süden erklären, der im klimatologischen Mittel im Frühling und Sommer ausgeprägter ist. Ein Schwerpunkt zeigt sich südlich von Stuttgart entlang der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland. In diesen Regionen beeinflusst die Topographie von Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen maßgeblich die Entstehung von kräftigen Gewittern, die Hagel produzieren können. Im Lee der Gebirge bilden sich häufig lokale Konvergenzen aus, an denen Luftmassen zusammenströmen. Diese Konvergenzen sind oftmals die Brutstätte für schwere Gewitter mit Hagel. Da bei den meisten schweren Gewitterlagen eine südwestliche Strömung vorherrscht, sind diese Regionen besonders anfällig. Dort treten Hagelereignisse nicht nur vergleichsweise häufig auf, sondern auch überdurchschnittlich viele Fälle mit großem Hagel. In Erinnerung ist bei einigen in diesem Zusammenhang sicherlich das Hagelunwetter von Reutlingen aus dem Jahr 2013 geblieben. Am 27 Juli sorgte damals eine Superzelle mit großem Hagel entlang der Schwäbischen Alb für massive Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft.

Diese Grafik zeigt die mittlere Anzahl der Hagelzüge pro 1 Quadratkilometer Gitterpunkt zwischen 2005-2024 in Deutschland. (Quelle https://www.frontiersin.org/journals/environmental-science/articles/10.3389/fenvs.2026.1736782/full)

Da zur Ausbildung von Hagelstürmen neben einer feuchtwarmen energiereichen Luftmasse auch ein Hebungsantrieb vorhanden sein muss, hat die Wetterlage einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten solcher Ereignisse. Die Studie zeigt, dass etwa 50 Prozent dieser Stürme in diesem Zeitraum in Verbindung mit blockierenden Wetterlagen auftraten. Solche Lagen führen durch langsam ziehende Druckgebilde häufig zu Serien von Hagelstürmen über mehrere Tage. Dabei kristallisiert sich heraus, dass solche Episoden mit einer Periode von Hagelstürmen gefolgt von längeren Ruhephasen häufiger geworden sind. Das am häufigsten dominierende Wetterregime war eine skandinavische Blockierungslage mit einem kräftigen nahezu stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien und gleichzeitig tiefen Luftdruck im Bereich des Mittelmeerraums. Betrachtet man die räumlichen Unterschiede innerhalb von Deutschland, so zeigt sich lediglich im Süden eine Zunahme in der Hagelhäufigkeit. In der Mitte und im Norden ist eine Tendenz zu weniger Ereignissen erkennbar. Dies steht im Widerspruch zur verbreiteten Annahme, dass aufgrund des Anstiegs der Temperatur und Feuchtigkeit automatisch mehr schwere Gewitter auftreten.

Diese Grafik zeigt die Tage mit Hagelzügen unter verschiedenen Wetterregimen. (Quelle https://www.frontiersin.org/journals/environmental-science/articles/10.3389/fenvs.2026.1736782/full)

Da die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre allerdings weitaus vielschichtiger sind, können veränderte atmosphärische Strömungen, der Aerosolgehalt in der Troposphäre oder der Anstieg der Nullgradgrenze einen negativen Trend in der Häufigkeit erklären. Die Ausbildung von Gewittern mit Hagel bleibt ein komplexes Thema, welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wodurch sich räumlich kein einheitliches Bild ergibt.

In den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter weitgehend erhalten. Lediglich am Dienstagabend besteht im Zusammenhang mit einem schwach ausgeprägten Höhentief über dem süddeutschen Bergland ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko. Schwere Gewitter mit Hagel werden jedoch nicht erwartet!

Damit bleibt abzuwarten, wo die Gewitter – und Hagelschwerpunkte in dieser Saison liegen werden.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.04.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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