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07.08.2026
Starke Bodentrockenheit

Schon seit März sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zusammenkamen (Abbildung 1, links). Der Vergleich zum vieljährigen Mittel 1991 bis 2020 zeigt, dass in den letzten Monaten besonders in der Südhälfte Deutschlands deutlich weniger Niederschlag als üblich gefallen ist; im Süden war es gebietsweise noch nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Mittels. Lediglich in einem Streifen vom Münsterland bis zum Erzgebirge, von Südniedersachsen bis nach Mecklenburg und im Umfeld der Nordsee fielen die Regenmengen etwa durchschnittlich aus (Abbildung 1, rechts). Auch das aktuelle, seit 1. November 2025 laufende hydrologische Jahr zeigt weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen: Der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zwei Mal noch trockener aus (Abbildung 2).

Niederschlagssumme im Zeitraum 01.03. bis 31.07.2026 (links) und entsprechende relative Abweichung vom vieljährigen Mittel der Referenzperiode 1991 - 2020 (rechts). (Quelle DWD)

Niederschlagsabweichung der hydrologischen Jahre (Zeitraum Anfang November bis Ende Juli) von 1882 bis 2026 gegenüber dem vieljährigen Mittel 1991 - 2020. (Quelle DWD)

Bereits im Frühjahr sank die Bodenfeuchte im Süden deutlich schneller als üblich, ab Anfang Mai lag die Bodenfeuchte dort markant unter dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Juni dämpfte Regen die Trockenheit im Süden zunächst leicht, während der extremen Hitzewelle in der zweiten Junihälfte sank die Bodenfeuchte bei sehr hoher Verdunstung jedoch schnell wieder. Seit Ende Juni wechseln sich gelegentliche Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen ab, zudem erhöhten weitere heiße Perioden erneut die Verdunstung. Die generell ungleichmäßig verteilten Niederschläge summierten sich vor allem vom Westen bis in die westliche Mitte und den Südwesten hinein auf meist nur sehr geringe Mengen. Damit verschärfte sich die Trockenheit in der Südwesthälfte Deutschlands weiter. In der Nordosthälfte liegt die Bodenfeuchte zwar großteils auch unter den jahreszeitlichen Mittelwerten, aber es besteht keine ausgeprägte Trockenheit (Abbildung 3).

Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe unter Gras am 06.08.2026 (links) und Abweichung der Bodenfeuchte vom Mittel 1991 - 2020 (rechts). Bei weniger als 30 % nutzbarer Feldkapazität stehen Pflanzen unter deutlichem Trockenstress. (Quelle DWD)

Die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter lag seit Ende Mai über Deutschland gemittelt oft nur leicht über jener in den Dürrejahren 2018 und 2022 (Abbildung 4). Im Süden waren die Böden 2026 verbreitet sogar trockener als in diesen beiden Vergleichsjahren.

Verlauf der über Deutschland gemittelten Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe in den Jahren 2018, 2022 und 2026 sowie das Mittel 1991 - 2020 und der Wertebereich 1991 - 2025. (Quelle DWD)

Bis vor einigen Wochen hielten sich die Auswirkungen der Trockenheit auf die Landwirtschaft noch in Grenzen. Getreide und Raps reiften bei den seit Mitte Juni hohen Temperaturen rasch ab und die Ernte kam schnell voran. Allerdings führte die extreme Hitze Ende Juni bei Obst zu ungewöhnlich starken Sonnenbrandschäden, also zu Schäden an den Früchten durch Überhitzung des Gewebes in der direkten Sonne. Neben Äpfeln, bei denen sonst Sonnenbrand oft erst später im Jahr ein Thema ist, waren vor allem Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen und Erdbeeren in starkem Ausmaß betroffen.

Seit etwa Anfang Juli nehmen die Auswirkungen der trockenen Böden jedoch deutlich zu. Vor allem Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die jetzt und in den kommenden Wochen einen hohen Wasserbedarf haben, leiden besonders in der Südhälfte Deutschlands zunehmend stark unter der Trockenheit, es drohen markante Schäden. Auch das Grünland wird vielerorts dürr, teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen, was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann. Bei Obst und jungen Weinreben können derzeit gebietsweise nur mit Bewässerung große Schäden abgewendet werden. Die Wälder zehren meist noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.

Die Anzahl von Tagen mit hoher Waldbrandgefahr, also an denen ein Waldbrandgefahrenindex von mindestens der Stufe 4 von 5 (hoch) erreicht wird, ist in diesem Jahr bisher weit überdurchschnittlich. Bis einschließlich 2. August traten im Deutschlandmittel bereits rund 22 solcher Tage auf, im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zu diesem Datum nur etwa 10 Tage (Abbildung 5). Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Bei diesem Index gab es bis zum 2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens 4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände auf.

Anzahl der Tage mit Waldbrandgefahrenindex (WBI) der Stufe 4 oder 5 in 2026 über Deutschland gemittelt im Vergleich mit dem bisherigen Maximum seit 1961, dem Mittelwert 1991 - 2020 und dem Vorjahr (2025). (Quelle DWD)

Die anhaltend trockene Witterung wirkt sich auch auf Flusspegel und Grundwasserstände aus. Bei Flüssen spielen auch Einzugsgebiete, die außerhalb Deutschlands liegen, eine wichtige Rolle. Seit Jahresbeginn waren die Niederschlagsmengen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den benachbarten Ländern außerordentlich niedrig. Der Schwerpunkt der trockenen Witterung in der ersten Jahreshälfte erstreckte sich bei europaweiter Betrachtung vom östlichen Frankreich über den Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn, Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als üblich nach Deutschland. Zudem bewirkten die unterdurchschnittlichen Schneemengen im vergangenen Winter einen stark verminderten Beitrag der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr. Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, https://niwis-online.de/) der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten des DWD einfließen.

Eine Entspannung der Lage ist nicht einmal ansatzweise in Sicht. Für das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar vereinzelt Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten sich aber weiterhin nicht an.

Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab (Abbildung 6). Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher noch zunehmen und es weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird.

Witterungsvorhersage für Bodenfeuchte unter Gras in Deutschland, wochenweise vom 10. August bis zum 6. September 2026, erstellt am 04.08.2026. Die Punktgröße symbolisiert die Vorhersagegüte. (Quelle DWD)

Weiterführende Informationen zur Trockenheit

Attributionsstudie zur Trockenheit in Europa

Die internationale Expertinnen- und Expertengruppe World Weather Attribution (WWA) hat unter Beteiligung des DWD die Dürre der letzten 3 Monate im westlichen Teil Europas bzw. der letzten 6 bis 12 Monate im östlichen Teil Europas untersucht. Dabei werden die Extremereignisse mit Hilfe von Klimamodellen für eine Welt mit und eine Welt ohne menschengemachten Klimawandel simuliert und die Ergebnisse verglichen. Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass die landwirtschaftlichen Dürren in Westeuropa etwa fünfmal, in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher sind als ohne Klimawandel. Mehr Details dazu unter: https://www.worldweatherattribution.org/increasingly-hot-europe-faces-more-severe-droughts-and-growing-challenges-for-water-and-land-management/

• Bodenfeuchteviewer

Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer: www.dwd.de/bodenfeuchteviewer

• Waldbrandgefahren- und Graslandfeuerindex

Der Waldbrandgefahrenindex (WBI) gibt das meteorologische Potential für die Gefährdung durch Waldbrand in 5 Gefahrenstufen an. Der Graslandfeuerindex (GLFI) beschreibt die Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs, ebenfalls in 5 Gefahrenstufen. Mehr Informationen dazu: www.dwd.de/waldbrand oder www.dwd.de/landwirtschaft unter "Gefahrenhinweise"

• Klimavorhersagen

Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen (deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis- und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen: www.dwd.de/klimavorhersagen

• Nutzbare Feldkapazität

Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 % steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei 0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem Trockenstress.



Dipl.-Met.
Andreas Brömser Deutscher Wetterdienst Agrarmeteorologie Offenbach, den 07.08.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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