Thema des Tages

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20.08.2026
Sommer im Barock
Die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben die Menschen schon immer beschäftigt. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch Eingang in die Kunst gefunden haben. Ein gewisser venezianischer Komponist Antonio Vivaldi beschäftigte sich intensiver mit diesen und schrieb dafür Violinenkonzerte, die er in seinem heutzutage weltbekannten Werk "Le quattro stagioni" oder zu Deutsch "Die vier Jahreszeiten" zusammenfasste. Im heutigen Thema des Tages soll es um den Sommer gehen und der Bogen zum Wetter in Deutschland geschlagen werden. Antonio Vivaldi, Kupferstich  (Quelle Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Vivaldi, Künstler: François Morellon de La Cave)

Antonio Lucio Vivaldi wurde 1678 in Venedig geboren. Sein Vater war Violinist und so fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Nachdem er die Ausbildung zum Priester absolviert hatte, arbeitete er zudem als Lehrer für verschiedene Musikinstrumente und führte später ein Orchester eines Heimes für Waisenmädchen zu Berühmtheit. In dieser Zeit komponierte er zahlreiche Violinenkonzerte, unter anderem auch „L’estate“ - den Sommer.

Das Stück gehört zur Gattung der Programmmusik, das bedeutet es bringt Geschichten oder Bilder in eine musikalische Form. In Vivaldis Fall gibt es ein dazugehöriges Sonett, das er vermutlich selbst schrieb:

Es ist die Jahreszeit der erbarmungslos glühenden Sonne, / es ermattet der Mensch, ermattet die Herde, / die Pinie brennt. / Der Kuckuck ruft und schreiend fallen Tauben / und Finken mit ein. Noch weht ein leichtes Lüftchen, / doch plötzlich braust der heulende Nordwind dagegen. / Der Hirte weint. Er fürchtet sich vor dem Sturm. / Er fürchtet die Ungewissheit seines Schicksals. Jetzt kennt des Hirten müder Körper keine Ruhe mehr, / aus Furcht vor dem Blitz und dem grollenden Donner / und aus der Furcht vor den Fliegen, / vor den wilden Schwärmen der Fliegen und Hornissen. Ach – ja! Er hat ja Recht mit seinen Sorgen und Ängsten. / Der Himmel dröhnt vom Donner und leuchtet von Blitzen, / und der Hagel köpft den Weizen und alles andere Getreide.

Den ersten Teil kennen wir aus dem diesjährigen Sommer zur Genüge. Die Hitze wird musikalisch durch träge, schleppende Akkorde zur Geltung gebracht, die Menschen und Tiere befällt. Doch schon im zweiten Teil frischt der Wind auf und Gewitter ziehen auf. Mit dem Nordwind wird kühlere Luft herangetragen und die Hitze spielt keine Rolle mehr. Das Tempo der Musik erhöht sich immer wieder schlagartig. Im großen Finale, wenn das Gewitter hereinbricht, zeichnet sich das Violinenspiel beispielsweise durch schnelle virtuose Tonleitern aus, die das Bild der Regenmassen und des Hagels, der vom Himmel herabprasselt, transportieren. Und auch so ähnlich findet sich das im Wetter in Deutschland wieder. Am gestrigen Mittwoch und in der vergangenen Nacht kam es von einem Streifen ausgehend von Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen zu Unwettern. Einzelne schwere rotierende Gewitter (Superzellen) bildeten sich und sowohl in Hessen (Oberndorf/Solms) als auch in Brandenburg (Fürstenwalde/Spree) gab es sogar bestätigte Tornadomeldungen. Besonders vertrackt war die Tatsache, dass sich der Tornado in Brandenburg nicht an einer Gewitterzelle bildete, sondern an einem einfachen kleinen Schauer. Die Erkennung eines solch kleinräumigen Ereignisses ist an sich schon äußerst herausfordernd. Oft ist erst im Nachgang können dann Analysen der Radarbilder Aufschluss darüber geben, ob die Strukturen einer Rotation sichtbar gewesen sind und Tornadomeldungen plausibel sind. Nun neigt sich der Sommer allmählich dem Ende zu. Am 1. September ist meteorologischer, am 23. September kalendarischer Herbstanfang. Und wer weiß, vielleicht findet sich eine Gelegenheit den Herbst von Vivaldi für das Wetter heranzuziehen.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.08.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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