Thema des Tages
Teils immer noch sehr trockene Böden
Im vergangenen Sommer waren die Trockenheit und ihre Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft ein großes Thema – auch hier im Thema des Tages vom 7. August 2026. (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/8/7.html) In der zweiten Augusthälfte dämpften etwas häufigere Niederschläge und gemäßigte Temperaturen die Trockenheit etwas und durchfeuchteten die oberen 10 bis 30 cm der Böden. Darunter blieben diese allerdings stark ausgetrocknet. Bei Mittelung über die oberen 60 cm, die im Bodenfeuchteviewer in der Bodenfeuchteanalyse standardmäßig betrachtet werden, war die Bodenfeuchte großenteils weiterhin deutlich unterdurchschnittlich.
Dann kam der insgesamt warme September mit abgesehen vom äußersten Norden markant unterdurchschnittlichen Niederschlägen, wobei im Südwesten teils noch nicht einmal 20 Prozent der vieljährig gemittelten Regenmenge fiel. Entgegen der üblicherweise ab September steigenden Bodenfeuchte wurden die Böden vor allem im Südwesten wieder trockener, die Feuchtigkeit der vorangegangenen Niederschläge verdunstete rasch. Als Folge davon blieben Grasflächen und Wiesen in weiten Teilen des Südwestens verbräunt, viele Bäume warfen weiteres trockenes Laub ab. In der Landwirtschaft konnte dort vielerorts die anstehende Rapsaussaat nicht erfolgen, die im September beginnende Aussaat von Wintergerste musste teils verschoben werden. Auch im Großteil der restlichen Südhälfte und vom südlichen Niedersachsen bis in den Osten blieb das Wasser im Boden trotz gelegentlicher oberflächlicher Anfeuchtung knapp. Die Pegel vieler Flüsse sanken weiter auf teils rekordverdächtige Tiefststände, die Schifffahrt auf Rhein und Donau musste erneut reduziert werden. Auch auf dem Bodensee führte sehr niedriger Wasserstand zu Einschränkungen. Nur in den nördlichen Mittelgebirgen vom Bergischen Land bis zum Sächsischen Bergland und ganz im Norden waren die Böden deutlich feuchter mit teils überdurchschnittlicher Bodenfeuchte.
In der ersten Oktoberhälfte sorgte gelegentlicher Regen endlich auch im Südwesten für eine Anfeuchtung der obersten Bodenschichten, so dass sich dort die Bedingungen für die Aussaat von Wintergetreide verbesserten. Ganz im Norden erschwerte hingegen bereits durchnässter Boden die landwirtschaftlichen Arbeiten.
Momentan stellt sich die Bodenfeuchtesituation regional sehr unterschiedlich dar. Etwa von Nordrhein-Westfalen über den Nordwesten bis nach Mecklenburg sind die Böden meist 20 bis 50 cm tief durchfeuchtet, im Umfeld der Nordsee und der westlichen Ostsee auch tiefer. In der Südhälfte und im Osten sind hingegen meist nur die oberen 10 bis 20 cm angefeuchtet, darunter befindet sich teils bis in mehr als 1 Meter Tiefe eine sehr trockene Schicht. Das heißt, Grasflächen, Grünland und landwirtschaftliche Kulturen wachsen, Bäume und Wälder stehen hingegen weiterhin unter Trockenstress. Bei Betrachtung der mittleren Bodenfeuchte der oberen 60 cm sind die Böden in der Südhälfte und im Osten weitaus trockener als in der zweiten Oktoberhälfte üblich.


Die teils kräftigen Niederschläge der kommenden Tage werden die Böden in den bisher trockenen Gebieten etwa 10 bis 30 cm tief durchfeuchten. Bei Betrachtung der über die oberen 60 cm gemittelten Bodenfeuchte wird sich das Defizit in der Südhälfte und im Osten zwar verringern, die Feuchte wird jedoch für die Jahreszeit weiterhin meist deutlich unterdurchschnittlich bleiben. Abbildung 3 zeigt, dass die Bodenfeuchte in den derzeit trockenen Regionen mit relativ hoher Prognosegüte bis mindestens in die zweite Novemberhälfte hinein deutlich niedriger bleibt als üblich.
Erst über Monate hinweg wiederholte und ergiebige flächendeckende Niederschläge würden die Böden bis in größere Tiefen allmählich auffüllen. Somit werden die Niederschlagsmengen über das Winterhalbjahr hinweg darüber entscheiden, wie gut gefüllt die Böden zum Start in die Vegetationsperiode 2027 sein werden und wie viel Wasser durch Versickerung in den Untergrund für die Grundwasserneubildung zur Verfügung stehen wird. Die zu erwartenden Niederschlagsmengen lassen sich auf dieser langen Zeitskala allerdings nicht abschätzen.
Weiterführende Informationen zur Bodenfeuchte
• Bodenfeuchteviewer Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer.
• Klimavorhersagen Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen (deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis- und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen.
• Nutzbare Feldkapazität Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 % steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei 0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem Trockenstress.
Dipl.-Met. Andreas Brömser Deutscher Wetterdienst Agrarmeteorologie Offenbach, den 22.10.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

